Game of Thrones: Saul (Teil 1)

7 min.
Saul und David, von Rembrandt, im Jahre 1650

Was passiert, wenn die Herrschaft eines Volkes jemandem einfach in die Hände fällt, und derjenige sie nicht einmal möchte? Könnte es sein, dass jemandem, der keine Macht sucht, der Zauber der Macht nichts anhaben kann? Könnte dies die Lösung des Kampfes um die Macht sein? Fünf Beschreibungen darüber, wie Saul an die Macht kam und wie er mit ihr umging, bieten einen Blick hinter die Kulissen der Politik zu Beginn der Monarchie in Israel. Zwei werden hier erklärt und die nächsten drei im folgenden Beitrag.

1. Ganz ohne zu wollen

Wie schon mal erklärt, wollte Samuel niemanden zum König ernennen. Deshalb musste Gott selbst dafür sorgen, dass Saul zu Samuels Haus gelang. Die Herrschaft über das Volk Israel fiel Saul völlig unerwartet und ungewollt zu. Der Autor vom Buch Samuel stellt Saul als einen gutaussehenden jungen Mann vor; als Sohn eines „wohlhabenden und angesehenen“ Mannes (1 Sam 9:1). Die Geschichte beginnt damit, dass ein par Esel verloren gehen, woraufhin Sauls Vater ihn und einen Diener losschickt, um die verlorenen Esel zu finden:


Eines Tages liefen die Eselinnen seines Vaters davon. Da befahl Kisch seinem Sohn: Mach dich mit einem der Knechte auf die Suche nach den Eselinnen!

1 Samuel 9:3 (HFA)


Der Vater wusste, dass Saul einen Diener brauchen würde, um die Esel zu finden. Dieses Vornehmen führte sie zu Samuel, dem Seher. Aber dann geschah etwas; Samuel salbt Saul vor einer großen Menschenmenge zum König (1 Sam 9:12-13, 22). Aber zu Saul sagte Samuel Folgendes:


Ich bin der Seher. Gehe vor mir hinauf auf die Höhe, denn ihr sollt heute mit mir essen; morgen will ich dich lassen gehen, und alles, was in deinem Herzen ist, will ich dir sagen. Und um die Eselinnen, die du vor drei Tagen verloren hast, bekümmere dich jetzt nicht: sie sind gefunden. Und wes wird sein alles, was das Beste ist in Israel? Wird’s nicht dein und deines Vaters ganzen Hauses sein?

1 Samuel 9:19-20 (LUTH1545)


Saul scheint den Richter und Propheten Israels überhaupt nicht zu kennen. Samuel hingegen, scheint Sauls ganze Familie gekannt zu haben. Über die Esel, die Zuchttiere und landwirtschaftliches Kapital sind, stellt Samuel zwei rhetorische Fragen, die darauf hindeuten, dass Saul an der Macht sein würde. Die riesen Verantwortung erwähnt er nicht einmal, sondern konzentriert sich auf das, worauf sich alle jungen Leute bisher fixiert hatten, sowohl die Söhne Elis (1 Sam 2:12-17) als auch die Söhne Samuels (1 Sam 8:3): auf DAS WÜNSCHENSWERTE. Warum macht Samuel, der Mann Gottes, Saul die Vorteile der Herrschaft schmackhaft, statt mit ihm darüber zu sprechen, wie ernst es sein würde? Die Antwort, die schon bereits erklärt wurde, ist Samuels Frustration.

Dann scheint es plötzlich so, als wolle Saul die Herrschaft überhaupt nicht. Als er zurückkehrt, seinen Onkel antrifft und dieser ihn über das Geschehene ausfragt, „erwähnte er [Saul] nicht, dass Samuel mit ihm über das Königtum gesprochen hatte.“ (1 Samuel 10:16b)


…das Los fiel (…) schließlich auf Saul, den Sohn von Kisch. Doch als man ihn nach vorne rufen wollte, war er nicht zu finden. Da fragten sie den Herrn: »Ist der Mann überhaupt hierhergekommen?« Der Herr antwortete: »Ja, er ist da. Aber er hat sich bei der Ausrüstung versteckt.«

1 Samuel 10:21-22 (HFA)


So kam es, dass die Herrschaft Israels Saul total unerwartet vom Himmel zufiel; wie ein Blitz, der ihm Angst einjagte. So passierte es, dass Saul zum ersten König Israels gekrönt wurde, ohne es zu wollen.

2. Nicht geeignet um zu herrschen

a. Verwaltung und Arbeitsmoral

Saul scheint nicht dafür geboren worden zu sein, etwas anzuleiten; geschweige denn, zu regieren. Als sein Vater ihn schickt, die Eseln zu suchen, scheint Saul total unbeschäftigt gewesen zu sein: „mache dich auf, gehe hin und suche die Eselinnen.“ (1 Sam 9:3b). Genauso spricht auch Samuel ihn an, als Saul scheinbar morgens nicht aufsteht: „Auf! daß ich dich gehen lasse.“ (1 Sam 9:26). Auch als es darum ging, den Seher aufzusuchen, war es der Diener, der das Geld bewahrte, nicht Saul, der Sohn jenes angesehenen und wohlhabenden Mannes (1 Sam 9:7-8). Weder administrative Fähigkeiten noch eine gute Arbeitsmoral scheinen Teil der Persönlichkeit des neuen Königs gewesen zu sein.

b. Als Antrieb die Wut

Zuerst wollte Saul nicht herrschen, aber dann, mit der Zeit, änderte sich dieses. Wenn sie angeboten wird, scheint die Macht oft anders, als sie wirklich ist. Samuel bot sie als „das Beste in Israel, das Wünschenswerte“ an, aber das war sie nicht; nicht für seine Söhne, nicht für Samuel und auch nicht für Saul. So wurde auch das „Unerwünschte“ für Saul später etwas, das er nicht mehr loslassen konnte. Nachdem er mehrmals gesalbt worden war, zog Saul wieder nach Hause zurück. Als die Ammoniter die Israeliten in Jabesch von Gilead auf der anderen Seite des Jordan unterdrückten, fanden die Boten Saul arbeitend auf dem Land seines Vaters (1 Sam 11:5-7). Von der Wut angetrieben, obwohl voll vom Geist des Herrn, begann er, die Leute mit Gewalt zu sammeln und denjenigen, die nicht mit ihm gegen die Ammoniter in den Kampf ziehen wollten, zu drohen, sie würden wie seine Ochsen in Stücke gerissen werden. Der Mangel an Sicherheit brachte das Volk dazu, um einen König zu betteln. Und das überzeugte auch Saul. Obwohl die Wut der Start in eine Herrschaft sein kann, ist sie kein guter Begleiter.

Der König Saul, von Lidia Kozenitzky

c. Populismus und Unsicherheit

Der Krieg gegen die Ammoniter war ein voller Erfolg. Der Kriegspopulismus zur Rettung der Israeliten führte jedoch dazu, dass einige Männer Saul angriffen, indem sie Folgendes taten:


27 Einige niederträchtige Männer aber spotteten: »Was, der soll uns helfen können?« Sie verachteten Saul und brachten ihm keine Geschenke. 

12 Nach diesem Sieg kamen einige Israeliten zu Samuel und wollten wissen: »Wer sind die Herumtreiber, die Saul damals als König ablehnten? Los, gebt sie heraus, wir wollen sie umbringen!« 13 Doch Saul wehrte ab: »Heute soll niemand von uns sterben, denn der Herr selbst hat Israel gerettet.«

1 Samuel 10:27; 11:12-13 (HFA)


Sauls Unsicherheit scheint ein weiteres Hindernis für ein gutes Regieren gewesen zu sein. Jeder Politiker, wenn er anfängt, braucht entweder einen guten Sponsor oder die Leute auf seiner Seite. Diese beiden Dinge sind die Basis, die es einem möglich machen, mit Sicherheit zu herrschen. Saul begann mit einem nicht sehr motivierten Sponsor: Samuel. Aber als er die Komplimente und das Lob des Volkes erlebte, erwachte in Saul der Wunsch nach Macht. Das Lob der Erretteten verwandelte seine Unsicherheit in Sicherheit. Aber genau diese Art von Populismus führte dazu, dass Saul seinen Sponsor verlor:


Samuel hatte Saul befohlen, eine Woche auf ihn zu warten. Doch als Samuel nach einer Woche immer noch nicht in Gilgal erschienen war, verlor Saul die Geduld, denn seine Leute begannen schon davonzulaufen. Er ließ die Tiere für das Brand- und das Friedensopfer holen und brachte selbst das Opfer dar. (…) 11 Doch Samuel stellte ihn sofort zur Rede: »Was hast du getan?« Saul versuchte sich zu rechtfertigen: »Die Soldaten begannen schon davonzulaufen, weil du nicht pünktlich zur abgemachten Zeit hier warst. Die Philister haben sich in Michmas zum Kampf aufgestellt12 (…) Deshalb habe ich es gewagt, selbst das Brandopfer darzubringen.«

1 Samuel 13:8-12 (LUTH1545)


Lateinamerikanische Schlussfolgerung:

Wenn der Politiker sich von dem trennen will, der es ihm möglich gemacht hat, mit Macht zu regieren, beginnt ein Kampf von Titanen. Es war nicht mehr Samuel gegen Saul, sondern Gott gegen Saul. Samuel blieb als Sprecher des Sponsors. In dieser Geschichte wirft der Autor des Buches einen Blick auf die Entscheidungen, die zu Beginn des „Politickings“ im Volk Gottes getroffen worden waren. Politik ist wichtig für Christen, aber zu wissen, dass Gott der einzige Sponsor ist, dem alle Loyalität gilt, ist das allerwichtigste. Wenn es Ähnlichkeiten in der Geschichte aus 1 Samuel und der Realität in Lateinamerika gibt, ist es kein Zufall, weil wir alle menschlich sind. Aber es zeigt, dass die Bibel, und insbesondere das Buch Samuel, mehr als nur eine Sammlung von Geschichten für Sonntagschulkinder ist.


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